Quincunx ist der Name der Anordnung von fünf Punkten wie sie üblicherweise auf Würfeln, Spielkarten oder Dominosteinen zu finden sind. Der Name leitet sich von einer römischen Münze ab.
Der Quincunx hatte fünf Wertpunkte geprägt, daher steht das Wort auch für zwei Begriffe:
Das Wort kommt von Lateinisch quinque „fünf“ und uncia (dt. „Unze“), einer Münzeinheit von einem zwölftel As. Die eher seltene Münze hatte also einen Wert von 5/12 As und diente als Ausgleichsmünze zu der Währung ostitalischer Stämme, deren Münzsystem dezimal geteilt war.[1]. Sie wurde in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts in Apulien, etwa in Luceria und Venusia als Bronzemünze geprägt.[2]
Der Unica hatte einen Wertpunkt geprägt, der Quincunx fünf.
Die Kuppeln des Marcusdoms in Quincunx-Anordnung – Blick vom Campanile San Marco
Das Quincunx-Muster ist eine in vielen Kulturen zu findende, intuitiv einfache Anordnung von fünf Punkten.[3]
Es findet in diverse philosophischen Betrachtungen Eingang:
- In Pythagoras' Mystizismus drückte sie die besondere Bedeutung der Zahl Fünf für die Pythagoräer aus.
- Es findet sich auch im chin. 河圖洛書, hétúlòshū „Ho-Fluss-Bild und Lo-Fluss-Aufzeichnung“, einem zentralen Diagramm der chinesischen Fünf-Elemente-Lehre, das schon im 洪範, Hóng fàn „Der Große Plan“, einem auf das erste vorchristliche Jahrhundert zurückgehenden philosophischen Traktat des Buchs der Urkunden zu finden ist, und symbolisiert ein Zentrum und vier Himmelsrichtungen.[4]
Das Muster fand und findet in verschiedenen Bereichen Anwendung:
- Quincunx war die Standard-Formation in den römischen Legionen. Diese Legions-Quincunces wurden in der Treffentaktik weiter gestafftelt, und ergaben eine seinerzeit unübertroffene Bewegungsfreiheit im Feld
- In der Gartenkunst, besonders im formalen Garten (Französischer Garten), kommt die Baumpflanzung auch über einem Grundrissraster in Quincunx-Anordnung vor.
- Ein Grundrisstypus, z. B. bei byzantinischen Kreuzkuppelkirchen (z. B. San Marco in Venedig, Hossios Lucás in Griechenland) und in der sakralen Barockarchitektur (z. B. S. Carlo ai Catinari in Rom, Konviktskirche in Ehingen, Kollegienkirche in Salzburg), insbesondere bei Universitätskirchen, wobei die Anräume für die Fakultäten der Universitäten standen.
- Als Kreuzform, mit Armen verbunden, nennt man es Kolbenkreuz (auch Apfelkreuz, mit zentralem Medaillion), und es ist eine gebräuchliche Form romanischer oder gotischer Altar- und Votivkreuze, und auch später in christlichen Formenschatz verbreitet[5]
- ↑ Quincunx. In: Anumis Münzen Lexikons. Sommer & Co. GmbH. Abgerufen am 15. April 2008.
- ↑ Peter Lichtenberger: Der As. In: imperium-romanum.com, Version XLIX. 3. März 2008. Abgerufen am 15. April 2008.
- ↑ I. Schwarz-Winklhofer, H. Biedermann: Das Buch der Zeichen und Symbole. Verlag für Sammler, Graz 1972, ISBN 3-85365-011-2
- ↑ Die Zahl – Zahlen, Orte, Orakelzeichen, S. 127ff. In: Marcel Granet: Das chinesische Denken. Übers. Manfred Porkert, Suhrkamp, Frankfurt 1993, ISBN 3-518-28119-4
- ↑ Schwarz-Winklhofer/Biedermann Nr. 386